Achtung: Lebensversicherung

Veröffentlicht: November 13, 2012 in Uncategorized
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13.11.2012
Bereits 1983 fällte das Landgericht Hamburg ein vernichtendes Urteil, dem bis heute Versicherungen nicht widersprochen haben: Eine Kapital-Lebensversicherung zur Altersvorsorge ist legaler Betrug. Bei einer Inflation kann die gesetzlich garantierte Rendite sehr schnell zu einem Verlustgeschäft werden.

von Matthias Weik und Marc Friedrich
Jetzt haben auch die Mainstreammedien die Problematik der Lebensversicherungen aufgegriffen. Ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums
warnt laut der Zeitung „Die Welt“ vor existenzbedrohenden Problemen bei
zahlreichen Lebensversicherern. Folglich könnte der Garantiezins
künftig noch stärker fallen.[i]
Laut Financial Times geht die Bundesregierung davon aus, dass bei
länger anhaltenden Niedrigzinsen ab 2018 20 Prozent der Anbieter die
Anforderungen der Aufsicht an Rückstellungen und Eigenmittel nicht mehr
erfüllen könnten.[ii]

Historisch
niedrige Zinsen und eine galoppierende Staatsverschuldung bringen die
populärste Kapitalanlage Deutschlands ins Wanken. Ferner beginnt die
steigende Inflation vermehrt die zumeist spärliche Rendite immer weiter
aufzufressen. Der Spiegel bringt es knallhart auf den Punkt:
Die Politik hilft vor allem den Konzernen – und lässt die Kunden im Stich.[iii]
Bei
einer Kapitallebensversicherung sind weder die genauen Investments noch
deren Gewichtung bekannt. Meistens handelt es sich bei dieser
Versicherung um einen langfristigen Sparvertrag mit einer oftmals
erbärmlichen Rendite. Bereits 1983 fällte das Landgericht Hamburg ein
vernichtendes Urteil (AZ: 74 047 / 83, LG Hamburg), dem bis heute
Versicherungen nicht widersprochen haben. Der Kern des Urteils bildet
der Satz: Eine Kapital-Lebensversicherung zur Altersvorsorge ist legaler Betrug.
Bei einer Inflation kann die gesetzlich garantierte Rendite sehr
schnell zu einem Verlustgeschäft werden. Kippen mehrere Versicherer,
wird die Auffanggesellschaft „Protektor“ voraussichtlich schnell an ihre
Grenzen stoßen. Das Auflösen dieser Anlage vor Ablauf ist mit
empfindlichen finanziellen Verlusten verbunden. Laut „Zeit“ werden zwölf
Prozent der Verträge pro Jahr bereits in der Anfangsphase wieder
gekündigt, 75 Prozent aller 30-jährigen Rentenverträge werden vorzeitig
aufgelöst, weniger als 50 Prozent der 20-jährigen Verträge laufen bis
zum Vertragsende durch und selbst von den zwölfjährigen wird ein Drittel
gekündigt.
[iv]

Nicht
zu verkennen ist, dass es sich bei der Garantieverzinsung nicht um die
Mindestrendite handelt, die man bei Lebens- und Rentenversicherungen
erzielt. Bei dem Garantiezins handelt es sich ohne Zweifel um
Augenwischerei. Denn der Garantiezins bezieht sich immer nur auf den
sogenannten Sparanteil. Der tatsächliche Zins, bezogen auf den
Gesamtbeitrag, ist deutlich niedriger als der ausgewiesene Garantiezins.
[v]
Wie viel übrig bleibt, hängt auch an den Kosten für Abschluss und
Verwaltung. Bei Direktversicherern fallen sieben bis acht Prozent der
Beiträge dafür an, bei vertriebstarken Gesellschaften zwölf bis 15
Prozent. Die teuersten Gesellschaften verlangen bis zu 18 Prozent.
[vi]
Vom 1. Januar 2012 an erhalten Neukunden einer Lebensversicherung nur
noch 1,75 Prozent Zinsen, bislang waren es 2,25 Prozent. Laut
Wirtschaftswoche ist eine Lebensversicherung keine geeignete
Langfrist-Anlage mehr. Man sollte sich nicht von der Aussicht auf
höhere, aber nicht garantierte Überschüsse über das fest zugesagte
Mindestniveau hinaus blenden lassen. Bei über kurze Zeit laufenden
Verträgen reicht der garantierte Mindestzins nicht einmal, um die Kosten
auszugleichen. Der Versicherte macht dann bereits ohne Inflation
Verluste.
[vii]
Wer
seine private Altersvorsorge ausschließlich auf der Lebensversicherung
aufbaut, hat laut Handelsblatt ein erhebliches Anleiherisiko im Depot.
Dieses abzubauen ist äußerst schwierig. Wer kündigt, erleidet in den
ersten Vertragsjahren – in denen die Versicherer die Abschluss- und
Vertriebskosten berechnen – hohe Verluste. Verbraucherschützer haben
gerichtlich erhebliche Verbesserungen im Sinne des Verbrauchers erzielt.
„Aus seit 2008 abgeschlossenen Verträgen müssen Kunden mindestens 85
Prozent ihrer eingezahlten Beiträge zurückbekommen. Bei älteren Policen
liegt die Mindestquote bei 50 Prozent.“
[viii]Laut
Handelsblatt können wegen der Anlagepolitik der Gesellschaften
ungeahnte Risiken entstehen. Eine Ausfallwelle am Anleihemarkt hätte
verheerende Konsequenzen.
[ix]
Laut der
Finanzaufsicht BaFin waren die Lebensversicherer im Herbst 2011 mit
rund neun Prozent ihres gesamten Anlagekapitals in Staats- und
Unternehmensanleihen der sogenannten PIIGS-Staaten (Portugal, Italien,
Irland, Griechenland und Spanien) investiert. Ein Teil dieser
Investitionen hat die Versicherer bereits eine Menge Geld gekostet. Im
zweiten Quartal 2011 musste der Allianz-Konzern im Zuge der griechischen
Umschuldung 644 Millionen Euro auf griechische Staatsanleihen
abschreiben, die Münchener Rück rund 700 Millionen Euro.
[x] Laut
der Zeitung „die Welt“ fehlen den Lebensversicherungen und deren Kunden
wegen der Niedrigzinsen für die vergangenen 15 Jahre 170 Mrd. Euro in
der Kasse.
[xi]
 Steigende
Inflation ist aufgrund der niedrigen Verzinsung und der mangelnden
Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten. Bei einer Verrentung
ist die von den Versicherern angenommene Lebenserwartung exorbitant hoch
– und die monatliche Rente deshalb niedrig. Eine zwanzig Jahre alte
Frau soll laut Sterbetafel aktuell im Schnitt sage und schreibe hundert
Jahre alt werden.
[xii]
Eine Lebensversicherung ist eine sehr langfristige Anlage über mehrere
Jahrzehnte. Aktuell wagen die Chefvolkswirte der großen Banken und
Versicherungen keine Prognose für das kommende Jahr.
Alternative Anlage von Versicherungsgeldern
Das
Handelsblatt berichtete als erstes von der etwas anderen Anlage von
Kundengeldern bei der Hamburg Mannheimer. Diese hat sich zur Motivation
ihrer besten Vertreter etwas Besonderes ausgedacht – eine Sex-Party in
Budapest im schicken Gellert Bad.
20
Prostituierte und Himmelbetten standen den Vertretern zur freien
Verfügung. Laut Handelsblatt erschien sogar ein begeisterter Bericht
im
Vertriebspartner-Magazin „HMI Profil“ „Unglaublich, was man in der HMI
wirklich erleben kann“, habe es dort geheißen. „Aus welchem Blickwinkel
auch immer man diese Mega-Fete betrachtete, ein Mordsspaß war es auf
alle Fälle.“
[xiii],[xiv]
Der größte Raubzug der Geschichte: Warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden
Laut Spiegel wurde die Rechnung in Höhe von 83 000 Euro von der Steuer abgesetzt. „Die
Rechnung ist in voller Höhe als Betriebsausgabe behandelt worden“,
zitiert die Zeitung einen Ergo-Sprecher. „Nach unseren Prüfungen war das
steuerrechtlich in Ordnung.“ Man werde aber prüfen, ob man „eine andere
Beurteilung vornehmen kann“.
[xv]

[i] Welt; Existenznot, Geheimpapier warnt vor Krise der Lebensversicherer; 8.11.2012
[ii] Financial Times; Lebensversicherungen: Versicherern droht Kündigungswelle; 11.11.2012
[iii] SPIEGELONLINE; Niedrige Zinsen, unzufriedene Kunden Der schleichende Tod der Lebensversicherung; 11.11.2012
[iv] Lebensversicherungen; Gebt mir mein Geld zurück; 5.09.2010
[v] FocusONLINE; Finanzwissen; Voll daneben; 01.07.2009
[vi] Handelsblatt; Garantiezins sinkt; Was Lebensversicherer jetzt wissen müssen; 23.02.2011
[vii] Wirtschaftswoche; Altersvorsorge; adieu Lebensversicherung; 23.02.2011
[viii] Handelsblatt; Risiko-Anlagen:Wie Staatsschulden in Europa unsere Altersvorsorge bedrohen; 13.12.2010
[ix] Handelsblatt; Garantiezins sinkt; Was Lebensversicherer jetzt wissen müssen; 23.02.2011
[x] Manager Magazin; Versicherer; Assekuranz im Anlagenotstand; 10.08.2011
[xi] WELTONLINE; map-Report; Bei den Lebensversicherungen herrscht Zinsnotstand; 31.08.2011
[xii] Handelsblatt; Garantiezins sinkt; Was Lebensversicherer jetzt wissen müssen; 23.02.2011

[xiii] Handelsblatt; „Mordsspaß“: Rauschende Sex-Party bei der Ergo-Versicherung; 18.05.2011

[xiv] SPIEGELONLINE; Treffen in Budapest; Versicherung lud Vertreter zu Sex-Party; 18.05.2011
[xv] SPIEGELONLINE; Hamburg-Mannheimer; Versicherung setzte Sex-Party von der Steuer ab; 29.05.2011
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